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Wie Pilze ein Teil meines Lebens wurden - Der Weg ist das Ziel

17. Jun 2026 — Lesezeit: 4 Minuten

Pilzsachverständiger Dennis nimmt unsere Gäste auch in diesem Herbst wieder mit auf Pilzwanderungen durch den Harz und die Lüneburger Heide. Hier erzählt er, wie aus einer spontanen Pilzsuche eine echte Leidenschaft wurde.

Meine ersten Begegnungen mit Pilzen

Gelegentlich war ich als Kind mit meiner Familie und Freunden in den Heidelandschaften unterwegs. Damals sammelten wir hauptsächlich Steinpilze und Maronenröhrlinge. Die wenigen Pilze, die man sicher kannte und die später gemeinsam in einer Pilzpfanne oder einem herzhaften Ragout landeten.

Schöne Erinnerungen, aber von einer echten Leidenschaft konnte damals noch keine Rede sein.

Der Tag an dem alles begann

Erst sehr viele Jahre später wurde meine Leidenschaft geweckt, als mich zwei Arbeitskollegen fragten, ob ich Lust hätte, am Wochenende mit ihnen Steinpilze sammeln zu gehen. Warum eigentlich nicht, dachte ich mir. Was ich an diesem Tag erlebte, hat mich nicht mehr losgelassen. Überall standen sie. Große, kleine, fragile und wunderschöne Pilze in den unterschiedlichsten Farben und Formen. Während meine Kollegen nach Steinpilzen Ausschau hielten, war ich fasziniert von der Vielfalt, die sich vor mir auftat. Ich wollte wissen, was dort alles wächst.

Welche Arten sind essbar? Welche giftig? Warum sehen manche so unterschiedlich aus? Und wie kann man Pilze bestimmen? Diese Fragen ließen mich nicht los.

Eine bunte Mischung verschiedener Pilzsorten aus unseren Wäldern.

Pilzsachverständiger Dennis unterwegs im Wald.

Warum mich Pilze bis heute faszinieren

Ich begann mir Literatur anzuschaffen und mich mit der Pilzkunde zu beschäftigen. Besonders begeisterte mich die Erkenntnis, dass Pilze nicht nur im Herbst vorkommen. Tatsächlich gibt es zu jeder Jahreszeit welche zu entdecken.

Also zog ich nur wenige Monate später wieder los. Ausgerüstet mit meinem Bestimmungsbuch suchte ich nach dem Fichtenzapfenrübling, einem kleinen Pilz, der auf Fichtenzapfen wächst. Als ich ihn tatsächlich fand und bestimmen konnte, war die Begeisterung endgültig geweckt. Von da an verbrachte ich nahezu jedes freie Wochenende im Wald. Je mehr ich lernte, desto größer wurde die Faszination.

Pilze sind oft nur der Anlass

Jeder Waldspaziergang ist ein kleines Abenteuer, weil man nie weiß, was einen erwartet. Vielleicht entdeckt man eine besondere und sehr seltene Art. Vielleicht aber auch etwas völlig anderes. Ein Erlebnis werde ich dabei niemals vergessen. Es war Herbst. Die Sonne ging gerade auf und tauchte die Heide in ein warmes, goldenes Licht. Plötzlich stand ein Rudel Rothirsche vor mir. Für einen Moment blickten wir uns einfach gegenseitig an. Solche Augenblicke lassen sich kaum beschreiben.

Für mich sind die Pilze und die Natur oft nur der Anlass, hinauszugehen. Was man dabei erlebt, ist häufig viel größer. Und genau das möchte ich auch bei meinen Lehrwanderungen vermitteln.

Im Morgengrauen auf der Pilzsuche.

Wissen teilen statt nur sammeln

Nach rund zwei Jahren intensiver Beschäftigung mit der Pilzkunde absolvierte ich die Ausbildung zum Pilzcoach. Dabei geht es nicht nur um Artenkenntnis, sondern vor allem darum, Kindern und Erwachsenen die Welt der Pilze spielerisch näherzubringen und Begeisterung für die Natur zu wecken. Mit der Zeit entstand bei mir der Wunsch, noch tiefer in die Materie einzutauchen und Menschen auch in schwierigen Situationen rund um das Thema Pilze helfen zu können. Deshalb ließ mich die Pilzkunde nicht mehr los und führte mich schließlich auch zur Ausbildung zum Pilzsachverständigen.

Dabei geht es nicht nur darum, Pilze zu zeigen, sondern sie wirklich zu verstehen. Wenn jemand sagt, er kenne einen Pilz, dann sollte er auch erklären können, woran man ihn erkennt und welche relevanten Merkmale ihn auszeichnen.

Wenn Teilnehmer am Ende einer Wanderung sagen: „Heute habe ich wirklich etwas gelernt“, dann habe ich mein Ziel erreicht.

Warum ich immer noch lerne

Ein weiterer Teil meiner Tätigkeit ist die ehrenamtliche Unterstützung bei Verdachtsfällen von Pilzvergiftungen. Dabei wird mir immer wieder bewusst, wie wichtig fundiertes Wissen sein kann. Oft lässt sich schnell Entwarnung geben, manchmal zeigt sich aber auch, dass dieses Wissen im Ernstfall einen entscheidenden Unterschied machen kann.

Während der Exkursion erklärt Dennis die verschiedenen Merkmale der Pilzfunde.

Geführte Pilzwanderung durch die Wälder in der Heide.

Der Weg ist das Ziel

Vielleicht ist genau das der Grund, warum mich Pilze bis heute so faszinieren. Sie verbinden Natur, Abenteuer, Wissenschaft, Genuss und Verantwortung auf einzigartige Weise. Und sie erinnern mich jedes Mal daran, dass es draußen noch unendlich viel zu entdecken gibt.

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